29.7.34 (München)
Viel zu schnell ist der letzte Urlaubstag gekommen. Vormittags gingen wir auf den Kalvarienberg und schauten uns das liebgewonnene Sonthofen von oben nochmal an.
Nachmittags ging ich mit Frl. Rupprecht zum Baden, aber sie musste um 1/2 4h schon wieder auf der Bahn sein um ihren Arbeitsdienstler zu sprechen.
Ich war noch bis kurz vor 5h dort und habe mich mit zwei jüngeren Einheimischen Burschen noch ganz gut unterhalten.
Grad 8 Tage hätte ich noch Urlaub leben mögen. Dann gings heim und auf die Bahn und am Bahnhof konnte ich mich noch von den 2 Badefreunden, dem Arbeitsdienstler, Hansl´s Schwester und Frl. Rupprecht verabschieden und unter dem Klang der Arbeitsdienstkapelle gings lustig händewinkend heimwärts. Bis Immenstadt fuhr dann Gingl mit Frl. Hausmann mit und ich habe das nicht sehr geschmackvoll gefunden.
So kleine Ferienflirts sind ganz nett und amüsant, müßen aber mit den Ferien auch beendet sein.
Ziemlich braungebrannt konnte mich Mama am Bahnhof München empfangen.

Bundesarchiv, Bild 183-H25730 / CC-BY-SA 3.0
München, Schalterhalle des Hauptbahnhofs Scherl: Der Münchener Hauptbahnhof um 1930
31.7.34
Heute war der Herr Stumpf auf der Heimreise vom Urlaub im Geschäft und machte mir persönlich sein Kompliment wegen dem Gedicht vom Sommerball. Menschlich lege ich keinen Wert auf sein Urteil, weil er keine Seele hat, aber vielleicht ist es als Angestellte günstig, wenn man ihm angenehm in Erinnerung gebracht wird, denn es ist zur Zeit wieder Kriegsstimmung im Geschäft, daß einer dem anderen nicht traut. Frl. Schmid will heiraten und muß ich Ende August für eine Woche ihren Posten übernehmen.
Steffi mach mir immer Konkurrenz mit ihrer Tüchtigkeit und Beliebtheit, Herr Gertl ist gekündigt worden und tut er mir trotz seiner oft großen Rauheit doch auch wieder leid, weil er als Angestellter sich wirklich ins Zeug gelegt hat.

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