aus der Zeit – geschichtliche, politische und andere Ereignisse aus der Vergangenheit

Willkommen auf der Dokumentationsplattform von Atelier T51. Unser Ziel ist es, historische Originalquellen aus den Jahren 1933 bis 1945 digital zu sichern und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Neben den fortlaufend veröffentlichten Original-Tagebüchern wächst das digitale Archiv stetig weiter. In Zukunft ergänzen wir die Sammlung um authentische Feldpostbriefe und andere behördliche sowie private Unterlagen aus der Zeit des Nationalsozialismus, um ein noch umfassenderes Bild des damaligen Alltags zu zeichnen.

Falls Sie uns gerne Original-Dokumente zur Verfügung stellen wollen, kontaktieren Sie uns gerne unter petra@vonkornatzki.de

Geburtstag Mama 19.8.1934 (Sonntag)

Heute ist Mamas 56. Geburtstag. Es ist ziemlich langweilig.
Überall ist großer Lärm durch Radio und Hofsängerinnen des B.D.M. die alle, wie auch die Bilder Hitlers aus jedem Fenster für die heutige Volksabstimmung winken.

Volksabstimmung

Das Deutsche Volk soll sich entscheiden, ob es Hitler als Kanzler und Reichspräsidenten will.
Natürlich nur Formsache, da Hitler als Despot die absolute politische Macht hinter sich hat, nur dem Ausland soll bewießen werden die große Einigkeit in Deutschland, die ja bekanntlich stark macht, und das soll unseren umirrenden Feinden Respect einflößen.


Großmutters Geburtstag 24.8.34 (Freitag)

Großmutters 75. Geburtstag.

Mama hat auf meine Zustimmung in der Münchener Zeitung schon am Montag eine kleine Notiz darüber aufgegeben.
Es war gut gemeint, hatte aber teils ärgerliche, teils lächerliche Folgen.

Die Folgen der Zeitungs-Notiz zum Geburtstag

Ich muß ja jetzt lachen, wie das „liebe Geburtstagskind“ schon wütend und ungenießbar wegen der Ehrungen war.

Es kamen nämlich täglich 1 – 2 „Musikantenduos oder Quartette“ und als es der lieben Großmutter begreiflicherweise einmal zu dumm wurde, als sie beim öffnen der Türe gefragt wurde, ob sie die Frau Laber sei, der Mann pfiff und „Seppi geh rauf!“ seinem unten wartenden Spezi zurief, die Türe zuschlug und die beiden unentwegten Tonkünstler spielten zum Herzzerreissen und auf „Teufelkommraus“, von „Wo die Alpenrosen blüh´n“ bis zum „Zu einem tiefen Grunde“ und immer lauter wurden, bis die Großmutter wieder bezahlend Frieden stiftete und sich recht freundlich gratulieren lassen mußte.

Die Tante kommt zu Besuch

Am 23. 8. kamen Tante Marie und Marianne zu uns und haben wir ein wenig Geburtstag gefeiert.

Es ist überall ein Weh und einerseits beneide ich Marianne weil sie´s so selbstverständlich gut hat, lernen kann was sie will und die freie Zeit aufs angenehmste im Theater oder in der Verbindung beim Tanz verbringt, andererseits bedauere ich sie, weil ihre Mutter direkte krankhafte Angstzustände hat, furchtbar nervös ist und sich auch bei der Ferienreise nach Füssen / Allg. einem göttlichem Fleckchen Erde, nicht erholen konnte.

Wie muß ich da im Gegensatz meine liebste Mama betrachten und bewundern, die anderen schweren Schicksalsschlägen standgehalten hat und immer noch ihren guten Humor bewahrt hat.

Selbstreflektion

Es tut mir leid, daß wir uns beide eine zwar gut kameradschaftliche aber etwas rauhe Art angewöhnt haben, die mich nicht so lieb und entgegenkommend zu ihr sein kann wie ich es oft gerne möchte und sie es verdienen würde.
Das macht mich auch sonst im Umgang mit meinen lb. Mitmenschen und besonders den Männern unverständlich ja oft auf den ersten Blick unweich fast herzlos, wie es mir einmal Frl. Rupprecht sagte, aber ich komme über diese Hemmungen nicht hinaus.
Trotzdem sehne ich ich mich ziemlich nach einer weichen, gütigen Seele, die mir im geeigneten Moment auch offen ihre Zuneigung durch irgend ein nettes Wort bekennt.

Meine liebe Mutter handelt eben nur und verwöhnt mich von Herzen und ich hoffe, daß ich es ihr noch einmal auf andere Weise, als durch liebe Worte, die mir so schwer wurden, vergelten kann.


Anmerkungen
Münchener Zeitung

Die Münchener Zeitung 1933-1945
Ewald Beckmann begrüßte 1933 die Gleichschaltung und nationalsozialistische Lenkung der Presse. Verlagsdirektor Wilhelm Leupold (1881-1949) passte sich ebenfalls an und sorgte dafür, dass Thomas Mann aus dem Rotary-Club ausgeschlossen wurde. Gemeinsam mit Chefredakteur Schiedt unterstützte er den von Hans Knappertsbusch (1888-1965) betriebenen Protest gegen Thomas Mann wegen dessen Rede über Richard Wagner (1813-1883). SA-Führer Ernst Röhm (NSDAP, 1887-1934), inzwischen bayerischer Staatssekretär, sorgte aber für Druck auf den Verlag, damit Schiedt, der jüdische Vorfahren hatte, entlassen wurde. An seine Stelle rückte der Lokalredakteur Ernst Hohenstatter (1883-1954), der sich als Mann Röhms verstand.
1935 musste eine Gruppe jüdischer Anteilsinhaber, die einen Anteil von 233.000 RM am insgesamt 1,4 Mio. RM betragenden Kapital der „Münchener Zeitungsverlag KG“ hielten, zwangsweise ausscheiden. Die Anteile gingen an Wolfgang Huck über.
Bis 1937 schrumpfte der Anzeigenteil erheblich. Wolfgang Huck übertrug zwei Zeitungen, darunter die Münchener Zeitung, an seine drei Neffen Joachim, Harald und Gerhard Huck. Damit konnte er die Verordnung umgehen, wonach ein Verleger nur noch eine Zeitung haben durfte. Doch war sein Konzern auf drei Zeitungen geschrumpft. Auch diese konnte er nur für begrenzte Zeit behalten. Eine musste er zwangsweise verkaufen, zwei weitere, darunter die Münchener Zeitung wurden eingestellt. Die Abonnenten wurden gegen eine Entschädigungssumme auf die Münchner Neusten Nachrichten und den Völkischen Beobachter aufgeteilt. Die letzte Ausgabe der Münchener Zeitung erschien am 31. März 1943. Im selben Jahr trat Wolfgang Huck der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) bei.

Paul Hoser, Münchener Zeitung, publiziert am 16.10.2012; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Münchener_Zeitung> (9.07.2026)

Volksabstimmung

Die Volksabstimmung über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs fand am 19. August 1934, nur wenige Wochen nach dem Tod des letzten Reichspräsidenten und Staatsoberhaupts Paul von Hindenburg, statt. Der damalige Reichskanzler Adolf Hitler ließ sich im Nachhinein von der deutschen Bevölkerung die Zusammenlegung der Ämter des Reichskanzlers und des Reichspräsidenten auf seine Person als Führer und Reichskanzler bestätigen. Die nicht unter freien Bedingungen abgehaltene Abstimmung im NS-Staat ergab mit 89,93 % ‚Ja‘-Stimmen eine deutliche Zustimmung, diese blieb jedoch hinter den Erwartungen der Nationalsozialisten zurück und fiel geringer aus als bei der vorigen Volksabstimmung im November 1933.

Quelle: Volksabstimmung über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs – Wikipedia Stand 09.07.2026
Die Familie der Tagebuchschreiberin- was wir bisher wissen:
die Geburtstage haben es enthüllt: der Nachname von Großmutter ist Laber. Hier der Adressbucheintrag von 1934 unter „Laber“

Großmutter:

„Frau Laber“ – Laut Adressbuch 1931 + 1934:
Therese Laber, Malermeisters-Witwe, Steinheilstr. 20 /2.Stock
Aus dem Tagebuch: 75. Geburtstag am 24.8.1934 (d.h. Geboren am 24.8.1859)

Mama:
Laut Adressbuch 1931 (Papas Sterbejahr und Umzug zu Großmutter)
Margarete Laber , Damenscheiderin, Steinheilstr. 20 / 2. Stock


Laut Adressbuch 1931 ( Firmenteil):
Laber Margarete u. Dolleschel Margarete
Steinheilstr. 20 / 2. Stock

Laut Adressbuch 1931 (Nach Straße):

Steinheilstr. 20:
Laber Margarete u. Schwarzer Margarete Damenschneiderei
Laber Therese Malermeisterswitwe (Großmutter)

Laut Adressbuch 1934 (Firmenteil):
Laber Margarete, Damenschneiderin, Schönfeldstr. 32 /1 EG rechts
Wohnung: Steinheilstr. 20 /2. Stock

Aus dem Tagebuch: Geburtstag : 56 Jahre am 19.8.1934 (d.h. geboren am 19.8.1878)

Papi:

Gestorben am 18.1.1931 in der Wohnung in Krailling.

Die Tagebuchschreiberin:

vermutlicher Geburtstag:

20.6. ( da wurde ihr das Tagebuch geschenkt, da es mitten im Jahr war, vermute ich, zum Geburtstag)

Der Name ist immer noch nicht klar, ich vermute jedoch auch Margarete wie die Mutter. Da bei den Einträgen zur Mutter (Geschäftlich und Straße) jeweils noch eine weitere Person mit Vornamen Margarete aufgeführt ist, ist es unklar wer das sein soll. Die Nachnamen der weiteren „Margarete“ schwanken zwischen Dolleschel und Schwarzer.

Tante Gretl:

war am ersten Kioskkauf mit 2.000 RM beteiligt.

Tante Marie & Tochter Marianne:

vermutlich die Schwester von Mama und deren Tochter. Obwohl, die Nervosität und die Angstzustände von Tante Marie könnten auch erblich sein, dann wäre es auch denkbar, dass es die Schwester von Papi ist.

Was denkt ihr?

Ich tendiere dazu, dass einer der beiden Nachnamen „Dolleschel“ oder „Schwarzer“ der Ehename von der Mutter ist. Laber ist dann der Mädchenname. Nur wo kommt dann der zweite Name her?
Hat die Tochter (Tagebuchschreiberin) einen anderen Familiennamen als die Mutter? Ist doch eher unwahrscheinlich – oder? Da ist immer noch ein Nachname zu viel in den Adressbüchern. Was meint ihr?




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