7.9.34 (Freitag)
Frl. Schmid ist jetzt Frau Wenzel
Heute ist Frau Wenzel, alias Frl. Schmid wieder im Geschäft. Ich bin wieder auf meinen alten Platz in der Faktura, mit geteilten Gefühlen, einerseits habe ich wieder mehr Zeit und Unterhaltung, andererseits habe ich mich schon so an die Eile, den Betrieb am Telefon gewöhnt, daß mir die Zeit nicht mehr halb so schnell vergeht beim Rechnen und haben wir trotzdem viel mehr Arbeit als z.B. im Büro etc.
Ich muß oft staunen, was eigentlich der Mensch und noch dazu ein Mädchen alles aushält was die Nervenbelastung und Konzentration angeht.
Gestern Abend..
Gestern Abend war ich mit Großmutter, Mama und Tante Gretl bei den Häberlstraßlern und war noch so kaputt und abgespannt wie noch selten.
Zur Zeit sagen auch verschiedene, daß ich so blaß und farblos aussehe und ich mache mir schon Sorgen.
Fritzl meldet sich aus Italien
Letzte Woche hat der Fritzl aus Italien geschrieben, daß es leicht möglich ist, daß er aus Italien ausgewiesen wird wie alle Deutsche.
Jetzt hat er aber gestern zu unserer Beruhigung geschrieben, daß es ihm mit viel guten Worten und noch mehr Geld gelungen ist, noch eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten.
Die Stimmung im Ausland
Wenn es nur keinen Krieg gibt!
Hier ist alles friedlich und man erfährt nicht, wie es im Ausland zugeht aber schon an diesem Exempel kann man sehen, wie die Stimmung gegen alles Deutsche ist.
Gehaltsaufbesserung?
Am Dienstag Abend habe ich in aller Ruhe mit Herrn Wappler wegen der Gehaltsaufbesserung gesprochen und mir einigermassen die Anforderungen des Telefonpostens plausibel gemacht.
Es ist demütigend und niederträchtig wie da jede geringste Leistung als selbstverständlich und unwichtig hingestellt wird und mit größter List versteht es vor allem der Hr. Wappler einen jeden Beweis kraftlos zu machen.
Man muß bloß ganz genau wißen was man selber leisten kann, ohne seiner Gesundheit zu schaden, und darf sich dann durch nichts irre an sich selbst machen lassen.
Auf jeden Fall ist, der Telefonistinnenposten trotz aller Nervenplage der richtige für mich, weil ich erstens von den trüben Gedanken abgelenkt werde und nicht beim Anhören der Berichte der jungen Kolleginnen meinen eigenen Mangel an freudigen Ereignissen hören und fühlen muss.
Anmerkung
Deutsch / Italienische Beziehung 1934
Die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien waren 1934 angespannt. Ende Juli drohte Mussolini Hitler mit Krieg, sollte er (Hitler) versuchen, in Österreich das NS-Regime zu installieren.
Ein weiteres Ereignis, das die Beziehungen zwischen Deutschland und Italien in 1934 beeinflusste war die sog. Flaggenaffäre. Ein deutscher Marineattaché in Rom beschwerte sich, dass ein dort lebender deutscher Student (Fritz Kraemer) sein Sportkajak mit einer (verbotenen) kaiserlichen Flagge geschmückt hatte. Der italienische Diktator Benito Mussolini wies den deutschen Protest jedoch scharf zurück. Der Vorfall endete mit einer diplomatischen Blamage für das Deutsche Reich.
Trotz der politischen Differenzen schlossen beide Staaten im September 1934 ein Clearingabkommen. Dies regelte den Warenaustausch und den Einsatz italienischer Arbeitskräfte in Deutschland.
Das Clearingabkommen war ein rein pragmatischer, technischer Schritt zur Rettung des kriselnden bilateralen Handels und keine ideologische Kooperation.
„Häberlstraßler“
Gemeint ist sehr wahrscheinlich der Münchner Turnverein, der in der Häberlstraße seine Großturnhalle hatte. Diese wurde 1934 nicht nur zum Turnen genutzt, sondern auch für diverse Großveranstaltungen, wie Faschingsfeiern, Tanzabende und vieles mehr.

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