5.8.34 (Sonntag)
Heute bei Beyers in Krailling. Es ist wunderschön, ein paar Menschen zu wißen, die so selbstlos lieben und schenken können wie die lieben Beyereltern und ich bin ihnen von Herzen dankbar für die unvergeßliche Kinderzeit im Beyerhaus und Garten und für das Bild der Zufriedenheit und das Glück, das die einfachsten Menschen ausstrahlen.
6.8.34 (Montag)
Abends auf dem Königsplatz die Rede des Führers anläßlich der ergreifenden Trauerfeier für Hindenburg gehört, die mit dem Schlußchor aus der "Götterdämmerung" schloß.
Musik macht mein immer noch wundes und schwermütiges Gemüt noch weicher und ich bin froh, daß ich die so sehr beneideten Theaterbesuche Mariannes nicht mir leisten kann. Vielleicht auch eine Fügung.
Ich muß es mir abgewöhnen, bei allem Sehrmon die mitfühlende Seele zu vermißen, die wortlos fühlt, wie es mir ums Herz ist, denn die Ideale sind selten und dann oft klein, daß man die Freude in sich selbst verdauen können muß, um oft Freude zu haben.
Ein jeder muss wohl ohne Zagen des Lebens Mühn und Opfer tragen. Muß sehen wie die Bäume blühn. Wie satter wird das helle Grün. Wie Erntewägen fruchtesschwer ziehn durch die sanften Auen her; und Sterne glänzen und jubeln und lachen. Soll heiter uns und fröhlich machen.
Doch wehe, wenn das Herz muß sehen, wie andre Sonnenwege gehn. Nur tändelnd, spielend, lächelnd heiter, und wißens nicht zu schätzen leider. – Und ich möchte bittend – die Hände ausbreitend, daß selbst die härtesten Herzen sich weichen.
Und möchte selbst mein bißchen Leben für ein ganz klein wenig Liebe hergeben, die ganz ohne List und ohne Zagen und ohne nach dem Später zu fragen. Nur um in Liebe Liebe zu geben macht wertvoller die Welt und herrlich das Leben!

Propagandabild „der Führer spricht“ aus
„Deutschland erwacht“ ©️1933 by Cigaretten-Bilderdienst Hamburg-Bahrenfeld
Anmerkungen zum Tagebucheintrag
Königsplatz München:
Im Jahr 1934 wurde der Königsplatz zum zentralen Aufmarschplatz der NSDAP umgestaltet. Die Nationalsozialisten bauten das Areal zum „Parteiviertel“ aus. In diesem Jahr begannen die Bauarbeiten für die „Ehrentempel“ (geweiht 1935) und den „Führerbau“ (erbaut 1933–1937) nach Plänen des Architekten Paul Ludwig Troost.
Nach dem Tod des Architekten Paul Ludwig Troost im Januar 1934 übernahm sein Mitarbeiter Leonhard Gall die Leitung. Die Tempel wurden für die 16 beim Hitler-Putsch von 1923 getöteten Nationalsozialisten errichtet.
Ab 1935 wurden die Grünanlagen entfernt und der Platz mit Granitplatten ausgelegt. Dies geschah um Massen-Veranstaltungen und Paraden zu ermöglichen.
Rund um den Königsplatz befanden sich über 60 Gebäude, die von der Parteizentrale („Braunes Haus“) in der Brienner Straße gesteuert wurden.
Hitlers Rede am 6.8.1934 am Königsplatz:
Er bezeichnete Hindenburg bewusst als „väterlichen Freund“, um Kontinuität und eine legale Amtsübergabe vorzutäuschen und die konservativen Kreise der Bevölkerung zu beruhigen. Hitler würdigte Hindenburgs Lebenswerk als Soldat und Staatsmann in extrem feierlichen Tönen. Er stellte sich selbst als denjenigen dar, der Hindenburgs politisches Erbe antreten und vollenden würde.
Die Zusammenlegung der Ämter von Reichskanzler und Reichspräsident war verfassungswidrig. Hitler nutzte die Rede vor den Abgeordneten, um diesen Schritt historisch und moralisch zu rechtfertigen.

lasst mir gerne ein Kommentar da!