Vor Jahren bin ich in einem Antikshop auf ein Tagebuch aus der Zeit des Deutschen Reichs gestoßen. Die Tagebuchseiten sind für mich ein wertvoller Einblick, wie das Leben im Dritten Reich von ganz normalen Menschen empfunden wurde. In diesem Fall handelt es sich um ein Fräulein das in München lebte. Lasst uns ein wenig „durchs Schlüsselloch“ spähen und einen kleinen Moment mit ihr zusammen gehen.

1932: Hitler nutzt die Chance, die das Chaos bietet

1932 ist für Deutschland ein chaotisches Jahr. Deutschland ist geprägt von einer tiefen Phase der Weltwirtschaftskrise und die Arbeitslosigkeit erreicht ihren Höhepunkt im Februar 1932 mit über sechs Millionen Arbeitslosen. Die Menschen sind ohne Hoffnung und träumen von einer starken Führung. Familien können sich nicht ernähren und sind auf staatliche Unterstützung angewiesen, die jedoch gerade zum Überleben reicht.
Auch mit der Regierung sind die Menschen unzufrieden, es lässt sich keine Mehrheitskoalition bilden, weshalb Reichspräsident Paul von Hindenburg mit Notverordnungen und Präsidialkabinetten regiert.

Am 20. Juli 1932 entmachtet die Reichsregierung durch den sogenannten „Preußenschlag“ die sozialdemokratisch geführte Regierung im größten deutschen Land, Preußen, und setzt einen Reichskommissar ein. Dies ist ein entscheidender Schritt zur Aushöhlung der föderalen Demokratie.

Die NSDAP unter Adolf Hitler wird bei den Reichstagswahlen im Juli 1932 mit 37,3 % zur stärksten Partei. Sie profitiert massiv von der wirtschaftlichen Verzweiflung und bietet sich als radikale Alternative an.

Das Jahr ist geprägt von bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Kampfverbände der NSDAP (SA und SS) und der KPD (Kommunistische Partei Deutschland) liefern sich blutige Straßenschlachten. Der „Altonaer Blutsonntag“ im Juli 1932 mit 18 Toten ist ein Höhepunkt dieser Gewalt.

Insgesamt ist 1932 ein Jahr, in dem das Leben in Deutschland von existenzieller Not und der sichtbaren Zerstörung der Demokratie bestimmt ist, was den Weg für die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 ebnet.


1933 Der Weg in die Diktatur ist frei

Das Jahr 1933 markiert den rasanten Umbau Deutschlands von einer kriselnden Demokratie in eine totalitäre Diktatur. Hitler und die NSDAP nutzen eine Kombination aus scheinbarer Legalität, staatlichem Terror und gezielter Propaganda, um ihre Macht innerhalb weniger Monate zu festigen.

Am 30. Januar 1933 ernennt Reichspräsident Paul von Hindenburg Hitler zum Reichskanzler. Konservative Politiker wie Franz von Papen glaubten fälschlicherweise, sie könnten Hitler in einer Koalition „zähmen“.

© Deutsches Historisches Museum / Der neue Reichskanzler Adolf Hitler am Fenster der Reichskanzlei

Nach dem Brand des Reichstagsgebäudes in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 wird die Reichstagsbrandverordnung erlassen. Diese hat zur Folge, dass wesentliche Grundrechte außer Kraft gesetzt werden. Auch erlaubt die Verordnung die Verhaftung politischer Gegner, vor allem von Kommunisten.

Am 5. März 1933 findet die 8. Reichstagswahl (die letzte Wahl vor der Diktatur) statt.  Die NSDAP steigert sich auf 43,9 % der Stimmen, erreicht jedoch keine absolute Mehrheit. Gemeinsam mit ihrem Koalitionspartner, der DNVP (Deutschnationale Volkspartei) die 8,0 % erreicht, verfügen sie über eine parlamentarische Mehrheit. Trotz des Ergebnisses, das nicht die erhoffte absolute Mehrheit für Hitler brachte, ebnet die Wahl den Weg zur totalen Machtübernahme.

Am 23. März 1933 wird das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“ (Ermächtigungsgesetz) verabschiedet. Mit diesem Gesetz kann Hitler das Parlament ausschalten. Exekutive und Legislative werden in Hitlers Hand vereint. Er kann nun Gesetze allein verkünden, ohne dass der Reichspräsident sie gegenzeichnen muss.

Jetzt folgt die endgültige Auflösung der demokratischen Strukturen durch die Nationalsozialisten. Die Eigenständigkeit der Bundesländer wird aufgehoben. Die Landesparlamente werden aufgelöst oder umbesetzt.
Am 2. Mai 1933 werden die Gewerkschaften zerschlagen. Es werden Gewerkschaftshäuser gestürmt und Funktionäre verhaftet.

Am 10. Mai 1933 inszenieren Studenten und die SA die öffentliche Verbrennung „undeutschen“ Schrifttums. Diese Aktion ist keine spontane Tat des Pöbels, sondern eine von der Deutschen Studentenschaft (DSt) sorgfältig geplante Kampagne unter der Regie von Joseph Goebbels. In Berlin hält Propagandaminister Joseph Goebbels eine triumphale Rede und erklärt das Ende des „jüdischen Intellektualismus“.

Am 22. Juni 1933 wird die SPD verboten (die SPD stimmte geschlossen mit 94 Abgeordneten gegen das Ermächtigungsgesetz. Der Parteivorsitzende Otto Wels hielt dabei eine historische Rede: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht“. Nachdem noch übrige, andere Parteien zur Selbstauflösung gedrängt werden, ist die NSDAP ab dem 14. Juli 1933 per Gesetz die einzige zugelassene Partei Deutschlands.

Deutschland ist damit faktisch eine Diktatur, in der Hitler unumschränkt regiert.

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