Tagebuch 3. Mai 1935 (Freitag)
1. Mai 1935 der Maitanz im M.T.V
Am 1. Mai hatte ich mich mit der Reitz Anni zum Maitanz verabredet und wollten in den M.T.V. [Anm.: Münchner Turn Verein].
Hackerkeller
Dort war aber geschlossener Tanz einer Firma. Darum gingen wir bei größter Kälte und Schneegestöber, das richtige Mailüfterl, in den Hackerkeller am Bavariaring, wo größtes Gedränge und ein fürchterliches Publikum war. Wir konnten keinen Platz finden und Anni wurde unterm gehen engagiert und ich von einem großen S.S.-Mann aber ich hatte schon die Lust verloren, zu bleiben.
Löwenbräu
Wir setzten unsere letzte Hoffnung auf den Löwenbräu, der ja eigentlich von der Firma aus als Treffpunkt angegeben wurde; ich wollte aber nicht hingehen, daß es nicht aussieht, als wäre man darauf angewiesen.
Der „Löwenbräu“ war bei unserer Ankunft schon polizeilich gesperrt und ich war sehr überrascht als ich vom Albert angerufen wurde, der uns erzählte, daß morgens die Kundgebung auf der Wiese [Anm.: Theresienwiese] wegen der schlechten Witterung abgesagt wurde und so gingen die Herren zum Frühschoppen, bei dem es die unverwüstlichsten bis abends aushielten beim Trunk.
„Die Gartenlaube“
Wir gingen mit ihm in die „Gartenlaube“ in Neuhausen, wo sich die Firma Stumpf trag und da wurde es noch ganz nett. Ich tanzte ununterbrochen, denn es war Damenmangel und sang bei bester Stimmung „Schnaderhüpferl“.
Herr Brenner
Um 1/2 1 h war allgemeiner Aufbruch und ich hatte noch keine Lust heimzugehen. Ich war daher sehr angenehm überrascht von einer Einladung des Herrn Brenner vom Geschäft und Anni blieb bei ihrem Dauertänzer – S. A. -Mann zurück.
Café Fürstenhof
Wir fuhren zum Stachus und tranken Kaffee im Café Fürstenhof und ich war ganz als große Dame im Klubsessel, unterhielt mich angeregt und rauchte mit großen Gesten.
Maxim-Bar
Brenner ist ein netter Gesellschafter und gings nach dem im Fürstenhof schon Schluß war, in die Maxim-Bar am Stachus und ich wundere mich jetzt noch über meine Laune.
Ich tanzte einige Walzer ganz Solo mit meinem Kavalier, trank Schwedenpunsch und rauchte und lachte und der junge Mann wurde immer verliebter.
Mir machte es Spaß und trank auf Du-und-Du mit ihm. Er natürlich schwärmte von dem dazugehörigen Kuß und sprach von einer nochmaligen Maifeier und vom Radeln, aber da winkte ich leicht ab und er war dann ganz anständig.
Es war ein nettes Abenteuer und wofür ist man denn jung!
Anmerkungen
Mailüfterl:
Unter „Mailüfterl“ versteht man das, was das Wort im österreichisch-bayerischen Sprachraum wörtlich bedeutet: eine milde, sanfte Frühlingsbrise im Monat Mai oder oder ironisch ein unerwartet kühles Lüftchen im Frühjahr.
Schnaderhüpferl
Schnaderhüpferl sind kurze, humorvolle und oft freche vierzeilige Reimverse aus dem bayerisch-österreichischen Alpenraum, die traditionell zu volkstümlicher Musik gesungen oder aufgesagt werden.
Der Name leitet sich vermutlich von dem altbayerischen Wort für das Plaudern oder Spotten (verwandt mit schwatzen) und dem „Hüpferl“ für einen kleinen Sprung ab.
Ein Schnaderhüpferl besteht immer aus genau vier Zeilen mit einem einfachen, oft stampfenden Rhythmus.
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