aus der Zeit – geschichtliche, politische und andere Ereignisse aus der Vergangenheit

Vor Jahren bin ich in einem Antikshop auf ein Tagebuch aus der Zeit des Deutschen Reichs gestoßen. Die Tagebuchseiten sind für mich ein wertvoller Einblick, wie das Leben im Dritten Reich von ganz normalen Menschen empfunden wurde. In diesem Fall handelt es sich um ein Fräulein das in München lebte. Lasst uns ein wenig „durchs Schlüsselloch“ spähen und einen kleinen Moment mit ihr zusammen gehen.

Ansichtskarte vom Promenadenplatz wo sich die Karmeliten-Apotheke befand.
15.11.34 (Donnerstag)
Karmeliten-Apotheke

Am 13. abends hatte ich versprochen in die Kameliten-Apotheke zu kommen und mich vorzustellen.

Beim letzten Anruf um 6 1/4 [Anm.: 18:15 Uhr] abends hat dann der junge Apotheker, der immer am Apparat ist, umgeschaltet und mir vom „Geheimzimmer“ [Anm.: es gab keine sog. „Geheimzimmer“ – ich denke, er hat das Telefonat auf einen anderen Apparat in einem Hinterzimmer der Apotheke verbunden, um von dort aus privat reden zu können] aus gesagt, daß er mich um 7 1/4 [Anm.: 19:15 Uhr] vor der Apotheke erwartet.

Das Treffen

Wir haben uns dann gleich gekannt und gingen ins Café Lenbach, wo wir uns vorzüglich unterhalten haben.
Er ist ein junger Mann mit ca. 26 J. schwarzhaarig und gerade so groß wie ich und macht als gelenkiger Sportsmann und leidenschaftlicher Tänzer, wie er sagte, eine löbliche Ausnahme von den verknöcherten Kollegen.

Er versprach ein „Tanzvergnügen“

Um 9h brachte er mich zur Trambahn und versprach mir ein Tanzvergnügen, noch unbestimmt wann, wir sprechen uns ja alle Tage 5 mal.

Die Gefahr der Werksspionage

Allerdings hatte ich gerade heute Pech mit falscher Aufnahme [Anm.: es könnte ein Vermittlungsfehler gemeint sein] und Fehlanzeigen [Anm.: eine sog. Fehlanzeige könnte eine leere Leitung – d.h. eine Verbindungsfreie Leitung bedeuten] gerade bei dem.
Ich fühlte zwar bei unserer ausgezeichneten Unterhaltung, daß ich eben bei einem „Geschäftsfreund“ immer vorsichtig sein müßte, keine Geschäftsgeheimnisse auszuplaudern, obwohl ich ja von seiner Seite sicher keine Ausfrage-Absicht annehme, aber es ist doch leicht das Gebiet wo man gleiche Interessen hat und man muß bei aller Liebenswürdigkeit aufpassen, nicht in ein falsches Fahrwasser zu kommen.

Bin neugierig, ob er noch an das Tanzen denkt. Er sprach nur von „Casino“ und Schottenhamel“ und würde das sicher auch eine Sache von Format.

Nationaltheater mit KdF

Gestern Abend war ich von „Kraft durch Freude“ in „Figaros Hochzeit“ von Mozart im Nationaltheater und bin ganz begeistert von der herrlichen Musik, die ich ja schon in der kirchlichen Musik in „Krönungs- und Spatzenmesse“ [Anm.: auch von W. A. Mozart] kennen und lieben gelernt habe, auch war die Besetzung und die Aufmachung prachtvoll und ich werde jetzt doch mindestens jedes Monat einmal die günstige Gelegenheit ausnutzen.

Tante Marie ist krank

Heut ist Tante Marie von Denning im Nymphenburger Krankenhaus zur gründlichen Untersuchung und Beobachtung und sie sieht sehr schlecht aus und ist sehr mager.


Anmerkungen
Karmeliten-Apotheke

Karmeliter-Apotheke schloss 2016. Es gab sie seit fast 400 Jahren. 1657 wurde sie gegründet und befand sie im Karmeliter-Kloster an der Maxburgstraße bis zum Jahr 1802.
Im Zuge der Säkularisation wanderte die Apotheke dann 1817 an den Promenadeplatz (ab April 1933 hieß der Platz „Ritter von Epp Platz“ und wurde im September 1945 wieder in „Promenadenplatz“ zurückbenannt), dort war sie bis 1944 ansässig.
Sie wurde durch Bomben im Krieg beschädigt und zog dann in den 1950er Jahren in die Maffeistraße in München.
1996 zog sie dann in die Schäfflerstraße 3 um, wo sie im September 2016 nach fast 400 Jahren (genau 359 Jahren) den Betrieb einstellte, da der Vermieter den Vertrag nicht verlängern wollte.

Schottenhamel

Der Wiesnwirt Schottenhamel besaß 1934 neben dem Festzelt auf dem Oktoberfest ein Hotel und Wirtshaus in der Prielmeyerstraße in München (in der Nähe des Hauptbahnhofs).
Der Gründer Michael Schottenhamel hatte das Hotel einst als Pionierbetrieb im Münchner Hotelwesen erbaut (es war das erste Hotel der Stadt mit fließend kaltem und warmem Wasser). Das Hotel existierte an diesem Standort bis zu seiner Schließung im Jahr 1973.





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