aus der Zeit – geschichtliche, politische und andere Ereignisse aus der Vergangenheit

Willkommen auf der Dokumentationsplattform von Atelier T51. Unser Ziel ist es, historische Originalquellen aus den Jahren 1933 bis 1945 digital zu sichern und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Neben den fortlaufend veröffentlichten Original-Tagebüchern wächst das digitale Archiv stetig weiter. In Zukunft ergänzen wir die Sammlung um authentische Feldpostbriefe und andere behördliche sowie private Unterlagen aus der Zeit des Nationalsozialismus, um ein noch umfassenderes Bild des damaligen Alltags zu zeichnen.

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goethe hermann und dorothea buchcover
2. November 1934 ( Freitag / Allerseelen)
Kein größeres Rätsel als ein Mann…

Kein größeres Rätsel als ein Mann.
Man behauptet das immer von den Frauen, aber mir ist noch keine Frau so unverständlich gewesen, als der Mann den ich liebe und von dem ich dasselbe glaube.

Karl meldet sich wieder nicht

Seit dem letzten Wiedersehen habe ich vor 8 Tagen einen Brief an Karl geschrieben und ihm anempfohlen, die schönen Herbsttage noch richtig auszunutzen, bevor es „Gewehr über“ heißt. Und bisher nichts mehr gehört. Ich muss jeden Tag bei allem Schönen, das mir begegnet an ihn denken und bedaure, daß er es nicht miterleben kann.
Und jeden Tag ist es mein erstes und letztes Gebet, er möge mir treu bleiben.

Goethe

Ich muß oft daran denken, wie Goethe in „Hermann und Dorothea“ sagt: „Dienen lerne beizeiten das Weib nach seiner Bestimmung“.
Und welchen Schwall von Entrüstung diese Stelle damals bei uns Backfischen auslöste, wie wir die Nase hochstehen hatten und von der „Emanzipation“ der Frau sprachen.
Ich muß lächeln, wie zahm und geduldig ich schon geworden bin.


Anmerkungen
Goethe „Hermann und Dorothea“

Der Satz aus Goethes „Hermann und Dorothea“ ist im Tagebuch leicht verändert. Es heißt nicht „Dienen lerne beizeiten das Weib nach seiner Bestimmung“ sondern, „Dienen… nach ihrer Bestimmung“.

Der zitierte Satz findet sich im 8. Kapitel „Erato Dorothea“ und wird von Dorothea ausgesprochen:

Schweigend nahm sie darauf die beiden Krüge beim Henkel,
Stieg die Stufen hinan, und Hermann folgte der Lieben.
Einen Krug verlangt‘ er von ihr, die Bürde zu teilen.
»Laßt ihn«, sprach sie; »es trägt sich besser die gleichere Last so.
Und der Herr, der künftig befiehlt, er soll mir nicht dienen.
Seht mich so ernst nicht an, als wäre mein Schicksal bedenklich!
Dienen lerne beizeiten das Weib nach ihrer Bestimmung!
Denn durch Dienen allein gelangt sie endlich zum Herrschen,
Zu der verdienten Gewalt, die doch ihr im Hause gehöret.
Dienet die Schwester dem Bruder doch früh, sie dienet den Eltern,
Und ihr Leben ist immer ein ewiges Gehen und Kommen
Oder ein Heben und Tragen, Bereiten und Schaffen für andre.





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