13. Juli 1934
Karl meldet sich nicht
Es ist noch kein Lebenszeichen von Karl gekommen. An und für sich wäre das nicht aufregend, weil er auch zu den Schreibfaulen gehört, aber nachdem er wie er sagte, nur 14 Tage hier ist, müßte er doch ein Zusammentreffen suchen, wenn ihm etwas daran läge.
Liebeskummer
Meine Gedanken kreisen in jeder freien Minute um den einen Punkt und ich kann doch nicht anders sein als ich bin und wenn er es so nicht vertragen kann, paßen wir nicht zueinander.
Schon genug, daß ich mich durch das plötzliche Zusammentreffen letzten Sonntag überrumpeln habe laßen und gleich wieder gut war, obwohl ich von unserer letzten Schitour her noch allen Grund gehabt hätte, beleidigt zu sein.
Ich denke mir oft, daß ich niemals einen Mann, den ich lieb habe erziehen kann, der muß alle Eigenschaften schon in sich haben, vor allen Dingen muß er an Festigkeit in der Anschauung über mir stehen und dann will ich mich gerne führen laßen, obwohl mir oft Eigensinn zur Last gelegt wird.
Vielleicht ist es gut so, wenn wir uns nicht mehr treffen können und ich will nichts mehr unternehmen und meine Gedanken im Zaume halten.
Ich bin noch so jung und habe viel zu viel Grübeleien im Kopf und es wird doch alles wie es kommen muß.
Morgen möchte ich mich bei dem Bericht einmal von allen Gedanken, die einen beschweren freimachen und neu beginnen…..

© Petra von Kornatzki
Anmerkungen
Liebeskummer
Der Eintrag zeigt in welchem inneren Konflikt die Schreiberin ist.
Sie reflektiert ihre Gefühle nach einem Treffen und der Enttäuschung einer Schitour. Gleichzeitig versucht sie, sich diszipliniert auf den kommenden Tag zu konzentrieren.
Ihre Zerrissenheit zwischen der Sehnsucht nach einem Partner, und der Unwille, sich selbst verbiegen zu wollen ist gut sichtbar.

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