Willkommen auf der Dokumentationsplattform von Atelier T51. Unser Ziel ist es, historische Originalquellen aus den Jahren 1933 bis 1945 digital zu sichern und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Neben den fortlaufend veröffentlichten Original-Tagebüchern wächst das digitale Archiv stetig weiter. In Zukunft ergänzen wir die Sammlung um authentische Feldpostbriefe und andere behördliche sowie private Unterlagen aus der Zeit des Nationalsozialismus, um ein noch umfassenderes Bild des damaligen Alltags zu zeichnen.
Falls Sie uns gerne Original-Dokumente zur Verfügung stellen wollen, kontaktieren Sie uns gerne unter petra@vonkornatzki.de
Die Ortsgruppen der Rote Kämpfer Widerstandsbewegung werden bereits Ende 1932 in kleine Einheiten umgestellt. Diese Umstrukturierung erleichtert den Übergang in die Illegalität. Die konspirative Arbeitsweise und die gut vorbereitete Abschirmung der Gruppen verhinderte die Infiltration durch Spitzel der Gestapo. Während des Bestehens „Der Rote Kämpfer“ ist nicht eine Person aus dem Widerstand zum Nationalsozialismus übergelaufen.
Obwohl die Arbeiterbewegung eine Niederlage erlitt, war die Energie der Mitglieder des RK-Widerstands ungebrochen.
Sicherheitsmaßnahmen
Um die Sicherheit der RK-Ortsgruppen weiterhin zu gewährleisten, wird bereits im Februar 1933 die interne Belieferung mit RK-Korrespondenz eingestellt. Stattdessen erschienen in unregelmäßigen Abständen Informationsblätter, die Grundsatzartikel, Pressestimmen und einen Wochen- und Monatsbericht über die wichtigsten in- und ausländischen Ereignisse enthielten. Diese Informationsblätter wurden mit fingierten Titeln wie „Der neue Kurs“ und „Zur politischen Lage“ gedruckt und verteilt.
1934
Diese Informationsblätter werden ab 1934 nicht mehr gedruckt, sondern auf Oktavformat fotokopiert und als Filmnegativ versendet. Auch der Name ändert sich in „Arbeiterkommunisten“.
Die Kommentare und Artikel wurden meist von Karl Schröder, Bernhard Reichenbach und Alexander Schwab verfasst. Die Artikel stellten jedoch nicht immer die Meinung der Verfasser dar, sondern waren das Ergebnis langer und eingehender Diskussionen in den Gruppen.
Organisation der Gruppenzusammenarbeit
Durch die Illegalität wurden die Zusammenkünfte nun auf vier bis sechs Teilnehmer beschränkt. Man traf sich in wechselnden Wohnungen um nicht aufzufallen. In Berlin bildete sich die Organisation für alle Verwaltungsbezirke. Die kleinen Gruppen sandten je einen Vertreter in die Berliner Leitung , welche alle persönlich, durch ein Netz von Vertrauensmännern oder schriftlich die Verbindung mit ihren Gruppen aufrecht erhielten.
In den Zusammenkünften werden Informationen ausgetauscht und das tagespolitische Geschehen erörtert. Die Mitglieder berichteten über ihr aufklärerisches Wirken in ihren Diskussionskreisen, die sie wiederum wegen der Spitzelgefahr nicht in den engeren RK-Kreis eingeführt hatten.
Die politische Erziehungsarbeit sowie die Herstellung und Verbreitung des illegalen Materials stellten hohe Anforderungen an den Opfermut jedes einzelnen, jedoch:
„… das Bewusstsein der gemeinsamen Verantwortung, das Gefühl echter menschlicher und sachlicher Bindung war so stark, daß alle davon getragen wurden und keiner in den vier Jahren der illegalen Tätigkeit versagt hat, weder technisch, noch charakterlich. Und her lag auch der eigentliche Wert der Gruppenarbeit. Jeder einzelne empfing aus dem Rückhalt bei den anderen eine geistige und seelische Stärke, die ihn befähigte, inmitten der trüben braunen Flut ein Zentrum des Widerstands zu bilden, dessen Kraft auf seine ganze Umgebung in Familie, Freundeskreis und Kollegenschaft ausstrahlte.“
Quelle:Dokumentation „Die Roten Kämpfer“, Zur Geschichte einer linken Widerstandsgruppe, in VfZG 7 (1959) S. 455
Kontakt zu anderen Widerstandsgruppen
Der Kontakt zu anderen illegalen kommunistischen und sozialistischen Widerstandsgruppen wurde stark reduziert.
Wenn doch ein Kontakt geknüpft wurde, dann nur unter „strengster Beachtung aller konspirativen Notwendigkeiten“1
Die ersten Verhaftungswellen in anderen Widerstandsgruppen und die nachvollziehbare Furcht vor Spitzeln mussten zwangsläufig kontakteinschränkend wirken.
Die RK-Führung lehnte den Austausch von Flugblättern, theoretischen Schriften sowie die Bildung gemeinsamer Diskussionszirkel mit anderen sozialistischen und kommunistischen Zellen kategorisch ab.
Erste Festnahmen
Mitte 1934 zeigte sich, wie berechtigt, die Vorsichtsmaßnahmen und Warnungen der RK – Führung war. Es hatte zwar 1933 bereits Festnahmen einzelner Mitglieder „Der Rote Kämpfer“ gegeben, jedoch wurde dabei die Existenz der Gesamtorganisation nicht gefährdet. Im Sommer 1934 nahm das von Berlin nach Ostpreußen versetzte Lehrerehepaar Karl und Marianne Kuntze Verbindung zu einer alten KAP/AAU-Gruppe in Memel und mit einem KAP-Mitglied in Königsberg auf, und wurden von der Gestapo aufgespürt. Kurz vor der Hausdurchsuchung gelingt es dem Lehrerehepaar das gerade aus Berlin eingetroffene RK-Material zu verbrennen. Die Verbindung nach Berlin bleibt unentdeckt. Karl und Marianne Kuntze werden verhaftet und vom Oberlandesgericht Königsberg wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. 2
Auslandskontakte
Auslandskontakte wurden meist mit emigrierten Mitgliedern, wie Artur Goldstein (Paris) und Helmut Wagner (Zürich) gepflegt. Auch besaß der Rote Kämpfer gute Beziehungen zu holländischen Rätekommunisten durch Bernhard Reichenbach (1935 emigriert) und Paul Kühne, der als Buchvertreter eine der Hauptkuriere der Roten Kämpfer war.
In die Tschechoslowakei geflohene Mitglieder schleusten von Teplitz und Aussig aus Flugblätter und Broschüren versteckt in Fahrradmänteln und Fußbällen nach Dresden.
Wolfgang Abendroth, Historische Funktionen und Umfang des Widerstands der Arbeiterbewegung gegen das Dritte Reich, in : Festschrift für Otto Brenner zum 60. Geburtstag, Frankfurt 1967, S. 303 – 320. ↩︎
Olaf Ihlau, Die roten Kämpfer, Ein Beitrag zur Geschichte der Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik und im Dritten Reich, Verlag Anton Hain KG (1969), Meisenheim /Glan, S. 128 ↩︎
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