aus der Zeit – geschichtliche, politische und andere Ereignisse aus der Vergangenheit

Willkommen auf der Dokumentationsplattform von Atelier T51. Unser Ziel ist es, historische Originalquellen aus den Jahren 1933 bis 1945 digital zu sichern und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Neben den fortlaufend veröffentlichten Original-Tagebüchern wächst das digitale Archiv stetig weiter. In Zukunft ergänzen wir die Sammlung um authentische Feldpostbriefe und andere behördliche sowie private Unterlagen aus der Zeit des Nationalsozialismus, um ein noch umfassenderes Bild des damaligen Alltags zu zeichnen.

Falls Sie uns gerne Original-Dokumente zur Verfügung stellen wollen, kontaktieren Sie uns gerne unter petra@vonkornatzki.de

Bochumer Polizeipräsidium in der Uhlandstrasse Bild von 1929
Der Anfang vom Ende

Durch den Röhm – Putsch am 30.06.1934 erkannte die Gruppe der Rote Kämpfer, dass sie die Skrupellosigkeit Hitlers zu herrschen, unterschätzt hatten.

Doch selbst danach wurde die Lage Deutschlands unter Hitler fehlinterpretiert bzw. vom tiefen Wunsch beeinflusst, das die Realität eine Andere ist:

„Hitler selbst ist persönlich sehr stark isoliert, nachdem er die ihm auch menschlich nahestehenden Kreise, die ihn in seiner Ideologie und seinem Selbstbewusstsein gestärkt hatten, opfern musste.
Damit ist er als kleinbürgerlich schwacher Mensch und kleinbürgerlicher Politiker endgültig zum Spielball in den Händen der ihn beherrschenden Gruppen geworden.
Er bleibt für die wirklich herrschenden Mächte wegen seiner jetzt eher noch gestärkten Autorität im Kleinbürgertum ein nützliches und bequemendes Aushängeschild, mit dem alle Maßnahmen gedeckt werden können.“

Quelle: Blick über den Sumpf. Hrsg. v. den Arbeiterkommunisten (Deckname für der Rote Kämpfer), Juli/Aug. 1934, S. 2

Jedoch hält der Rote Kämpfer einen Krieg, den Hitler „als letzten Ausweg aus seinen Schwierigkeiten“ suchen würde, als vorhersehbar.

Spannungen in den RK-Gruppen

Ab Ende 1935 führen persönliche Rivalitäten, Differenzen in Organisationsfragen und die Gefahr politischer Isolierung in der Reichsleitung des RK zu Spannungen. Der organisatorische Bruch erfolgte auf dem zweiten überregionalen Zusammentreffen am 15. August 1936.
Ab September 1936 beschloss die Reichsführung die Umorganisierung ihrer Abschirmvorkehrungen, da sie sich von der Gestapo beobachtet fühlte.
Man hatte bei Festnahmen im SAP und KPD-Umfeld festgestellt, dass die Gestapo die Taktik von sofortiger Festnahme illegal arbeitender Widerstandskämpfer in längere Beschattungen änderte.

Die Gestapo kommt dem RK auf die Spur

Im November 1936 wurde die Gestapo durch Ermittlungen gegen die KPD auf die roten Kämpfer aufmerksam.
Innerhalb weniger Wochen wurden die maßgeblichen Mitglieder der Berliner Zentrale und der übrigen Gruppen festgenommen.

Der genaue Ablauf dieser Verhaftungswelle ist heute nur noch durch widersprüchliche Gestapo-Akten sowie Aussagen und Berichten überlebender bedingt nachvollziehbar.

Ein Bericht von Hans Blazejczak vom 10.04.1966, der von Albert Wolff aus Essen bestätigt wurde, lautete wie folgt:

„Der Wattenscheider W. B., vor 1933 Mitglied der KPD, der durch ein früheres Mitglied unserer Gruppen (R. St.) RK-Material zu lesen bekommen hatte, hielt sich am 10. oder 11.11.1936 in dem SA-Lokal des Goldenen Parteiabzeichenträgers Gerhard Bohnenkamp auf, um angeblich auf einen Anstreichermeister zu warten, der ihm Schwarzarbeit übertragen wollte.
Neben SA-Männern, welche den B. wegen seiner politischen Vergangenheit hochnahmen und sich geringschätzig über die noch vorhandenen politischen Gegner der NSDAP ausließen, war auch ein Mann anwesend, der B. vor den Anzüglichkeiten der SA in Schutz nahm und ihm vorschlug, in das ruhige Lokal Wola hinüberzugehen.
Hier spendierte er B. einige Schnäpse und zeigte ihm illegales Material. Beide gingen daraufhin in seine Wohnung, wo er dem ihm unbekannten Mann das in seinem Besitz befindliche Material zeigte.
Er wusste allerdings nicht, dass er einem Spitzel der Gestapo namens Reitzig, in die Hände gefallen war. In der Nacht darauf wurde er (B.) von der Gestapo abgeholt.

Durch Foltermethoden gelang es der Gestapo aus W. B. die Namen Stratmann und Blazejczak herauszuschlagen.
In der Nacht zum 13.11.1936 holten die Gestapo – Beamten Cassebaum, Himmerich und Heimann zuerst Stratmann, dann H. Blazejczak und Josef Schwabe aus deren Wohnungen und brachten sie ins Bochumer Polizeigefängnis, wo sie durch Cassebaum gefoltert wurden.

Die Leiter der Wattenscheider Gruppe, Fritz Ritzwotzki und Alfred Krautscheid erfuhren von der Verhaftung ihrer Mitstreiter und warnten sofort die Düsseldorfer und Essener Gruppe sowie die Berliner Zentrale.

Ritzowski und Krautscheid flohen nach Berlin sobald sie erkannten, dass die Gestapo ihre verlassenen Wohnungen durchsuchten.

Zu diesem Zeitpunkt überwachte die Gestapo bereits die Berliner Wohnungen von Dr. Alexander Schwab und Dr. Karl Schröder sowie die dort verkehrenden Personen.

Am 17. November wurden Alexander Schwab, Karl Schröder, Kurt Suchan (Leiter der Düsseldorfer RK-Gruppe), Riwotzki und Krautscheid in Berlin festgenommen. Da die Gestapo Dortmund zu diesem Zeitpunkt die Ermittlungen leitete, wurden sie auch ins Bochumer Polizeigefängnis verlegt.

Bei seiner Vernehmung am 21. Nov. 1936 nahm Dr. Alexander Schwab die volle Verantwortung für die Leitung der Organisation auf sich.

Die Gestapo erpresste durch Folter von ihm Angaben über die Struktur und Funktionen der Gruppen und deren leitenden Mitglieder.

Bis Ende Dezember wurden die meisten Mitglieder in Berlin, Wattenscheid, Essen, Düsseldorf, Köln und Schwelm verhaftet.

Anfang Januar 1937 folgten Stuttgart und Hamburg. Bis Mai 1937 Bremen, Dresden und Freital, die seit Dezember 1936 unter Beobachtung standen.

Insgesamt beliefen sich die Festnahmen auf ca. 150 Personen, 39 davon aus Berlin. Damit war der organisatorische Kern der Gruppe vollständig inhaftiert.





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