Feldpostbrief vom 9. Mai 1941: Grundausbildung in Meppen und Goebbels‘ Blick auf den Krieg
Historische Einordnung
Alltag eines Rekruten
Als Otto seinen Feldpostbrief am 9. Mai 1941 schreibt, befindet er sich in den ersten Wochen seiner Grundausbildung in Meppen. Seine Gedanken kreisen um Waffenunterricht, Exerzieren, die bevorstehende Vereidigung und die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit seiner Frau. Der Krieg erscheint in seinem Brief vor allem als militärischer Alltag mit strengen Vorgaben und körperlichen Anforderungen.
Die große Politik im Hintergrund
Während Otto den Kasernenalltag beschreibt, diskutiert die nationalsozialistische Führung über den Luftkrieg gegen Großbritannien, die Kämpfe in Nordafrika und die politische Lage in Europa. Zugleich liefen bereits die Vorbereitungen für den deutschen Angriff auf die Sowjetunion, der nur sechs Wochen später beginnen sollte.
Zwei Perspektiven auf denselben Tag
Gerade dieser Unterschied macht beide Quellen aufschlussreich. Der Feldpostbrief zeigt die unmittelbare Lebenswelt eines einzelnen Soldaten. Der Tagebucheintrag Goebbels dokumentiert dagegen die Sichtweise eines führenden Vertreters des NS-Regimes. Die Gegenüberstellung verdeutlicht, wie unterschiedlich derselbe historische Moment wahrgenommen wurde.
Anmerkung zur Edition:
Der Text der Feldpostbriefe wird in der Originalschreibweise wiedergegeben.
Feldpostbrief an Maria vom 09.05.1941
„liebes Mariechen,
Quelle: Original Feldpostbrief
morgen kommst du wohl nach Hause + findest alle meine Briefe. Wieviel + was ich geschrieben habe, weiss ich kaum noch. Du musst nicht böse darüber sein. Denken kann ich kaum ausser an die Leitsätze über das Gewehr, das l. m. g. etc.
Ich, ach weh, muss als Schütze 1 der Gruppe 1 wieder das m. g. tragen + bedienen.
Am Sonntag werden wir angeführt, gruppenweise von unseren Ausbildern, d. h. von einem Unteroffizier + einem Obergefreiten. Unser Uffz. der Gruppe ist der angenehmste von allen + überhaupt ein netter Mensch, 44 Jahre alt.
(Ich bin ja der jüngste der ganzen Kompanie) – am Mittwoch, den 14., ist Vereidigung. Danach der erste selbstständige Ausgang.
Von Samstag 17. bis Sonntag Abend haben wir Stadturlaub. Die Frauen dürfen dann kommen + sich ein Zimmer nehmen. Wir dürfen auch im Hotel übernachten. Also, am 17. könntest du mich in Meppen besuchen. Doch du wirst nicht kommen können, da du sicher unterwegs bist. Schade!
Die Landschaft scheint hier sehr schön zu sein.
Wenig hässliche Häuser. Meist große rote Backsteinhäuser mit Eichen davor. Überall hier ist Sandboden. Das Wetter ist kalt. Seewind!
Abends + morgens singen die Nachtigallen vor dem Fenster.
Jetzt stehen wir um 5 1/2 h auf. Nächste Woche soll um 5h aufgestanden werden. 6 – 7 h exerzieren tägl. usw.
Wenn du kommst, komm am 17. sonst schreib bitte wann du bestimmt zu Hause sein kannst.
Herzliche Grüße von deinem Otto.
Historischer Kontext zu den Feldpostbriefen und Goebbels Tagebuch:
Die Feldpostbriefe vermitteln die Wahrnehmung eines einzelnen Menschen.
Welche politischen Einschätzungen, Erwartungen und propagandistischen Deutungen die nationalsozialistische Führung am selben Tag entwickelte, zeigt der folgende Tagebucheintrag von Joseph Goebbels. Die Gegenüberstellung dient der historischen Kontextualisierung und soll unterschiedliche Perspektiven auf denselben Zeitpunkt sichtbar machen; sie bedeutet keine Gleichsetzung der Quellen.
Tagebucheintrag Joseph Goebbels vom 9. Mai 1941:
9. Mai 1941
Gestern:
keine nennenswerten Einflüge. Wir machen erfolgreiche Tages-
angriffe auf englische Ziele. Mit gutem Erfolg, verlieren aber dabei 16 Flugzeuge. In der Nacht wird Liverpool wieder sehr hart angegriffen. Schwere Kämpfe um Tobruk mit bedeutenden Verlusten auf beiden Seiten. Unsere Stukas greifen erfolgreich die Wasserversorgung an. Bei Solium verzeichnen wir kleine Fortschritte. Sonst ist auf gespannt auf weitere Aktionen eingestellt [!].
England
Churchills Rede im Unterhaus: Ausflüchte und nur dürftige Angaben. Aber kein Zeichen von Nachgiebigkeit. Edens Stellung etwas erschüttert. Sein Plädoyer war auch zu dürftig. Lloyd Georges Kritik war hart, wird aber ohne Widerhall bleiben. Englands Haltung ist noch intakt. Wir müssen also weiter
attaquiren und unentwegt bohren. Im Irak noch kein Erfolg abzusehen. Die Engländer machen leichte Fortschritte. Ich lasse Churchill verhackstücken.
Fanfaren & Rundfunk
Mit Glasmeier neue Fanfaren besprochen. Eine speziell für die Luftwaffe und eine für Rußland. Man muß sich auch auf diesem Gebiet vorbereiten. Im Rundfunk muß die Sendezeit wieder früher beendet werden. Wegen der Tagesangriffe.
Tagesaufgaben
Mit Gutterer Tagesaufgaben. Kommentar zur Kürzung der Fleischration endgültig festgelegt. Nun ist er unanfechtbar. Trotzdem eine etwas peinliche Angelegenheit.
Filmabteilung im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda
Mit Hippler Stoff- und Besetzungsfragen. Winkler will mehr Filme haben. Ich bin auch dafür, aber nicht auf Kosten der Qualität. Ich will keine Ramschware mehr. Wir beschließen, die Privatproduktionen nun ganz aufzukaufen.
Sie sind kein Stimulans mehr. Und außerdem scheffeln sie nur Geld aufgrund unserer Arbeiten und Erfolge. Bis zum 1. September müssen sie alle verschwunden sein. Sonst kaufe ich in allen Ländern, wo ich das kann Kinotheater auf. Wir müssen Europa nach dem Kriege filmisch gänzlich beherrschen.
Wochenzeitung „Das Reich“
Mit Dr. Mündler Fragen des „Reich“ besprochen. Das Blatt macht eine glänzende Entwicklung durch. Meine Aufsätze helfen viel dazu mit. 1 Million Aufläge. Ich rege an: mehr Beiträge, aber kürzere. Die Zeitprobleme mehr gerafft darstellen. Der moderne Mensch hat zu wenig Zeit, um lange Riemen zu lesen.
Rechenberg kommt von der Front zurück. Mit dem E.K. 1. Er war als Fallschirmspringer bei Korinth dabei. Erzählt mir von unseren Jungens wahre Heldentaten. Vor allem auch unsere P.K. haben sich sehr hervorgetan. Er hält nicht viel von der Kampfkraft der Engländer. Er muß gleich wieder zurück.
Zu neuem Einsatz.
Eine Delegation von flämischen Verlegern empfangen und ihnen den Star gestochen.
Besprechung mit dem Führer
Der Führer von Danzig zurück. Mittags bei ihm. Lage besprochen.
Churchill
Churchills Rede ist ein Verzweiflungsprodukt. Er kann hinten nicht mehr hoch. Aber was soll England machen? Er wird am Ende das Empire ruinieren.
Roosevelt
Roosevelt hat nur ein Interesse an der Verlängerung des Krieges. Er und seine Leute wollen daran verdienen, er ist moralisch und prestigemäßig daran gebunden und er will England beerben. Produzieren kann er niemals soviel wie wir, daß [!] uns die Wirtschaftskapazität von ganz Europa zur Verfügung steht. Und nach Europa kommt kein Feind herein.
Italien/Frankreich/Spanien
Leider hat uns Italien mit seinen ewigen Niederlagen schweren Schaden angetan. Ohne das wäre Pétain auf unserer Seite geblieben, hätte Franco vielleicht doch den Weg gefunden und wäre Gibraltar demnach heute in unserem Besitz
Auch die Türkei wäre dann zu gewinnen so gewesen. Was das bedeutet hätte, ist garnicht auszudenken. Wir hätten uns mühelos im mittleren Osten durchsetzen können, Suez wäre uns als reife Frucht in den Schoß gefallen, England hätte entweder schon kapituliert oder läge in den letzten Zügen. Daß das alles Wunschträume sind, verdanken wir den Herren Bundesgenossen. Der Führer verurteilt schärfstens Franco, seinen Mangel an Intelligenz und Mut, er hat sich trotz stundenlanger Bearbeitung nicht zu einem mutigen Entschluß durchringen können. Ein Hanswurst! Eitel, arrogant und dumm. Und sein Serano Suner 1ist nur ein Jesuit. Franco ist nur an unseren Krücken in die Macht gekommen. Das hält nie an. Man muß die Macht mit eigener Kraft erobern. Und Italien? Na, schweigen wir davon!
Rüstungsfragen
Der Führer stellt unsere Rüstungsmöglichkeiten den englisch-amerikanischen gegenüber. Wir schneiden sehr gut dabei ab, auch bei nüchternster Berechnung. Papen berichtet von der Türkei: dort ist alles in Schwebe. Vielleicht gelingt es doch, sie zu uns herumzubiegen. Von der Kampfkraft der Araber hält der Führer mit Recht nicht viel. Sie sind modernen Waffen nerven- und intelligenzmäßig nicht gewachsen. Die Rüstungsarbeit der Tschechen findet den ganzen Beifall des Führers. Bis heute noch kein einziger Sabotagefall. Und was sie machen, ist gut, brauchbar und solide. Die Tschechen haben sich gut bewährt. Sie sind fleißig und zuverlässig. Ein wertvoller Zuwachs für uns. Die von ihnen mitgebrachten Waffenmengen haben uns sehr genützt. Auch heute tuen sie das noch. Was wollen die USA gegen unsere Rüstungsmöglichkeiten? Sie können uns nicht mehr einholen. Was sie reden, ist meistens Schaumschlägerei. Man darf das nicht zu ernst nehmen.
Russland
Die Hintergründe des Personalwechsels in Rußland sind noch nicht aufgehellt. Man behauptet, Stalin suche einen Weg zu uns. Hoffentlich nicht. Rosenberg hat vom Führer einen Auftrag über Arbeiten in der Ostfrage. Das wird nicht viel Rares werden. Er kann nur theoretisieren, aber nicht organisieren.
Wochenschau
Die neue Wochenschau wird vom Führer sehr gelobt. Er hält sie für die technisch beste, die wir bisher herausbrachten.
Der Führer
Der Führer sieht gut aus, er ist in glänzender Verfassung. Keine Drohung von drüben kann ihn schrecken. Im Mai vorigen Jahres, so meint er, hat England den Krieg verloren. Wenn wir nichts daran ändern, London kann nichts daran ändern. Wir müssen jetzt nur fleißig und tapfer sein und Nerven und Geduld haben. Und daran wollen wir es nicht fehlen lassen.
Lanke
Lange noch im Büro gearbeitet. Englische Zeitungen studiert, die z. T. von einer seltenen Blödsinnigkeit sind. Abends nach Lanke zurück. Das Wetter hat sich eine Kleinigkeit aufgehellt. Will es endlich Frühling werden?
Taß dementiert schärfstens, daß Rußland an der Westgrenze Truppen konzentriert. Stalin hat also offenbar Angst. Welch ein Unterschied gegen die Taßdementis vor einigen Monaten, in denen wir offen oder versteckt angepöbelt wurden. So ändern sich die Zeiten, wenn die offenen Kanonenmünder drohend bereitstehen.
Churchill hat im Unterhaus zweifellos einen Erfolg errungen. Sein Prestige ist unerschüttert. England hat eine dicke Haut. Aber wir werden doch hin durchstechen.
Ich schreibe für das „Reich“ einen Aufsatz über die P.K. Sie haben es vor dem Volke verdient, daß sie einmal hochgehoben werden.
Filmprüfungen abends. Vielerlei geändert. Aber hier floriert alles.
Magda ruft an: sie ist nun mit den Kindern in Aussee angekommen. Vom ganzen Dorf mit Fahnen und Liedern empfangen. Jetzt ist die Familie glücklich in guter Hut.
Welch ein langer Tag! Ich bin so müde, daß ich fast umfalle. Wieviel werde ich nach dem Kriege an Ruhe und Schlaf nachzuholen haben!
Anmerkungen Feldpost
Meppen als Garnisonsstandort
Meppen im Emsland war während des Zweiten Weltkriegs ein bedeutender Ausbildungs- und Truppenstandort. Die weitläufigen Übungsplätze der Region eigneten sich besonders für die Ausbildung von Infanterieeinheiten.
„l. m. g.“
Die Abkürzung steht für „leichtes Maschinengewehr“. Das Maschinengewehr bildete das zentrale Feuermittel einer Infanteriegruppe. Der MG-Schütze trug eine besonders verantwortungsvolle und körperlich belastende Aufgabe.
Vereidigung am 14. Mai 1941
Die Vereidigung stellte einen wichtigen Abschnitt in der militärischen Ausbildung dar. Mit dem Eid verpflichteten sich die Soldaten persönlich auf Adolf Hitler als Oberbefehlshaber der Wehrmacht und nicht auf Staat oder Verfassung.
Stadturlaub
Nach den ersten Wochen der Grundausbildung erhielten Rekruten gelegentlich Ausgang oder Kurzurlaub. Diese Vergünstigungen sollten die Moral fördern und die Bindung an Familie und Heimat aufrechterhalten.
Anmerkungen Goebbels Tagebuch
Tobruk
Tobruk war ein strategisch wichtiger Hafen an der Küste Libyens. Seit April 1941 war die Stadt von deutschen und italienischen Truppen unter General Erwin Rommel eingeschlossen. Die Kämpfe um Tobruk gehörten zu den zentralen Auseinandersetzungen des Nordafrikafeldzuges.
Stukas
Als „Stukas“ wurden die Sturzkampfbomber vom Typ Junkers
Ju 87 bezeichnet. Sie galten als eines der bekanntesten Angriffsflugzeuge der deutschen Luftwaffe und wurden insbesondere zur Unterstützung von Bodentruppen eingesetzt.
Irak-Krise 1941
Die Bemerkungen zum Irak beziehen sich auf den anglo-irakischen Krieg. Anfang Mai 1941 kämpften britische Truppen gegen die nationalistische Regierung Raschid Alis, die auf Unterstützung durch Deutschland hoffte. Die national-sozialistische Führung versuchte, antikoloniale Bewegungen im Nahen Osten für ihre eigenen strategischen Ziele zu nutzen.
Heinrich Glasmeier
Der erwähnte Glasmeier war Präsident der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft. Der Rundfunk gehörte zu den wichtigsten Instrumenten nationalsozialistischer Massenpropaganda und wurde zentral gesteuert.
„Das Reich“
Die Wochenzeitung Das Reich erschien seit 1940 unter unmittelbarer Kontrolle des Propagandaministeriums. Sie war eines der wichtigsten Presseorgane des Regimes und richtete sich vor allem an gebildete Leserinnen und Leser. Goebbels veröffentlichte dort regelmäßig Leitartikel.
P.K. (Propagandakompanien)
Die von Goebbels mehrfach erwähnten „P.K.“ waren Propagandakompanien der Wehrmacht. Ihre Angehörigen berichteten von den Fronten als Fotografen, Journalisten und Kameraleute. Sie lieferten das Material für Zeitungen, Rundfunksendungen und die Wochenschauen und prägten das öffentliche Bild des Krieges erheblich.
Wochenschau
Die Deutsche Wochenschau wurde vor jedem Kinofilm gezeigt und war eines der wichtigsten Propagandamedien des NS-Staates. Für viele Menschen stellte sie die wichtigste Quelle bewegter Bilder aus dem Krieg dar.
Franco und Serrano Suñer
Mit „Serano Suner“ ist Ramón Serrano Suñer gemeint, der spanische Außenminister und Schwager Francisco Francos. Hitler hoffte lange auf einen Kriegseintritt Spaniens an der Seite Deutschlands. Die ablehnende Haltung Francos führte in der NS-Führung zu erheblicher Frustration.
Franz von Papen
Der im Text erwähnte Papen war seit 1939 deutscher Botschafter in der Türkei. Die deutsche Führung bemühte sich 1941 intensiv darum, die strategisch wichtige Türkei politisch an Deutschland anzunähern oder zumindest von einer Annäherung an Großbritannien abzuhalten.
Alfred Rosenberg und die „Ostfrage“
Der erwähnte Rosenberg gehörte zu den führenden Ideologen des Nationalsozialismus. Die Bemerkung über seine Arbeiten zur „Ostfrage“ verweist indirekt auf die Vorbereitungen für den wenige Wochen später beginnenden Angriff auf die Sowjetunion und die geplante deutsche Herrschaftspolitik in Osteuropa.
Taß
Taß (heute TASS) war die staatliche sowjetische Nachrichtenagentur. Goebbels interpretiert ihre Dementis als Zeichen sowjetischer Schwäche. Historisch zeigt die Passage vor allem, wie intensiv die deutsche Führung die sowjetische Politik wenige Wochen vor dem Angriff auf die UdSSR beobachtete.
Lanke
Lanke war der Landsitz der Familie Goebbels nordöstlich von Berlin. Die wiederholten Hinweise auf Fahrten zwischen Ministerium und Landsitz verdeutlichen die privilegierte Lebenssituation der nationalsozialistischen Führung trotz des andauernden Krieges.
Quellenkritische Anmerkung zu Goebbels‘ Tagebuch
Der Eintrag vom 9. Mai 1941 verdeutlicht besonders die Diskrepanz zwischen tatsächlicher Kriegslage und den Erwartungen der nationalsozialistischen Führung. Goebbels und Hitler gehen weiterhin von einem letztlich unvermeidlichen Sieg über Großbritannien aus und unterschätzen sowohl die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Vereinigten Staaten als auch die langfristige Widerstandskraft der Alliierten. Aus heutiger Perspektive zeigen viele der im Tagebuch formulierten Einschätzungen erhebliche Fehleinschätzungen der militärischen und wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse.
Bemerkenswert sind außerdem die wiederholten Hinweise auf die Sowjetunion. Obwohl Deutschland und die UdSSR zu diesem Zeitpunkt noch durch den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt verbunden waren, spiegeln die Eintragungen bereits die gedankliche Vorbereitung auf den bevorstehenden Krieg gegen die Sowjetunion wider. Für Historikerinnen und Historiker gehören solche Passagen zu den aufschlussreichsten Stellen der Tagebücher, weil sie Einblicke in die Erwartungen und Planungen der NS-Führung wenige Wochen vor dem Unternehmen „Barbarossa“ gewähren.
Goebbels Tagebucheintrag:
Quelle: Im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte
und mit Unterstützung des Staatlichen Archivdienstes Rußlands
Herausgegeben von Elke Fröhlich
Schlussbemerkung:
Die beiden Quellen zeigen denselben Tag aus völlig unterschiedlichen Perspektiven. Während Otto von Ausbildung, Kameradschaft und der Hoffnung auf ein Wiedersehen mit seiner Frau schreibt, beschäftigt sich Goebbels mit militärischen Operationen, Propaganda, Machtpolitik und strategischen Zukunftsplänen des Regimes. Gerade diese Gegenüberstellung macht sichtbar, wie weit die persönliche Erfahrungswelt eines einzelnen Soldaten von den politischen und ideologischen Vorstellungen der nationalsozialistischen Führung entfernt sein konnte. Sie eröffnet damit einen Blick auf die unterschiedlichen Ebenen, auf denen Krieg im Frühjahr 1941 erlebt und wahrgenommen wurde.
- Serrano Suñer ↩︎

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