Otto Coenen – ein Überblick
Otto Coenen (16.5.1907 – 10.2.1971) wurde als Sohn eines evangelischen Lehrerehepaares in Düren geboren.
Schon in seiner Kindheit fand er Gefallen am künstlerischen Zeichnen, laut seiner Verwandtschaft schuf er sein erstes „Werk“ im Alter von 9 Jahren. 1921 schuf er mit Deckfarben das Bild „Espen an der Ruhr“
1926 machte er sein Abitur am Realgymnasium in Düren und wollte danach Kunst studieren. Seine Eltern sahen die Kunst als „brotlose“ Disziplin und waren gegen ein Kunststudium.
Studium zum Werklehrer
Coenen und seine Eltern trafen sich in der Mitte und einigten sich auf ein Kunstlehrer-Studium mit Zielrichtung Werklehrer und Weiterqualifizierung zum Kunstpädagogen. Er begann 1926 das Studium an der Kunstakademie Düsseldorf. Sein Examen zum Werkslehrer legte er 1929 bei seinem Lehrer Heinrich Kamps in Düsseldorf ab.
Die erste Zeit in Köln
Kamps wurde wenig später als Direktor an die Staatliche Kunsthochschule in Berlin-Schöneberg berufen. Die Kunsthochschule bot eine Weiterbildung zum Kunstpädagogen aufbauend auf dem Werkslehrer-Examen an. Kamps wollte Coenen in Berlin zu diesem Studium zulassen. Um die Zeit zu überbrücken, überredete Kamps seinen Schüler Coenen, übergangsweise ein Semester Kunstgeschichte an der Universität zu Köln zu belegen.
Coenen zog nach Köln um und belegte Kunstgeschichte. Er lernt in Köln die Künstler der „Kölner Progressiven“ kennen. Die Kölner Progressiven brachten die Zeitschrift „a bis z“ heraus. Der Herausgeber war primär der Maler Heinrich Hoerle.
a bis z
Die Zeitschrift „a bis z“ diente als Plattform, um die formalen Mittel der konstruktivistischen Kunst politisch einzusetzen. Ziel war es, gesellschaftliche Gesetzmäßigkeiten und Widersprüche des Kapitalismus bildnerisch zu veranschaulichen.
Die Zeitschrift reflektierte die zeitgenössische Weltwirtschaftskrise in all ihren gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Facetten.
Neben theoretischen Texten, Kunstkritiken und satirischen Glossen enthielt die Zeitschrift zahlreiche Originalgrafiken (z. B. von Franz Wilhelm Seiwert oder Gerd Arntz) sowie Fotografien (unter anderem von August Sander).
Otto Coenen wurde Vertriebsmitarbeiter und bewarb mögliche Abonnenten.
Berlin
Ab Frühjahr 1930 studierte Coenen an der Staatlichen Kunsthochschule Schöneberg. Ab Herbst studierte er an der Kunstademie und besuchte auch die marxistische Arbeiterschule.
Coenen gewann die Staatliche Kunsthochschule und die Kunstakademie als Abonennten von „a bis z“.
In Berlin lernte er die ein Jahr jüngere Elfriede Stegemeyer kennen, die eine Ausbildung als Avandgarde-Fotografin anstrebte. Sie wird seine Vertraute und Muse – er beginnt nun auch mit der Fotografie zu experimentieren. Er nutzt unter anderem seine Fotos um Holz- und Linolschnitte vorzubereiten. Es entsteht eine Reihe von „proletarischen Großstadtmotiven“.
Im Juni 1931 legt Otto Coenen erfolgreich sein Kunstpädagogik – Examen in Berlin ab. Er kehrt danach in sein Elternhaus nach Düren zurück.
Köln
Ab Herbst 1931 kehrt er nach Köln zurück, da er eine Referendarstelle als Kunstlehrer in einem Kölner Gymnasium zugewiesen bekommt. In Köln nimmt er an Schulungskursen von Reichenbach und Helmut Wagner teil. Er wird Mitbegründer der Ortsgruppe der Roten Kämpfer in Köln.
Auch Elfriede Stegemeyer zieht nach Köln (Frühjahr 1932), um an der Kunstgewerbeschule (spätere Kölner Werkschulen) das neu eingerichtete Fach „Experimentelle Fotografie“ zu studieren. Durch sie lernt Coenen den Künstler Roul Ubac kennen. Stegemeyer und Ubac schließen sich auch den Roten Kämpfern an. Coenen ist nun in den Gruppen der „Kölner Progessiven“ und auch in der Ortsgruppe „Der Rote Kämpfer“ aktiv.
1932 bricht innerhalb der „Kölner Progressiven“ ein Richtungsstreit aus und die Gruppe kann keinen gemeinsamen künstlerischen und politischen Nenner mehr finden.
Coenen ist zu der Zeit aktiv dabei, belastendes Material aus den Wohnungen bereits verhafteter Roter Kämpfer zu beseitigen.
1933 legt Coenen sein Staatsexamen als Gymnasiallehrer ab. Er wird zum Studienassessor im Gymnasialdienst an seiner „alten“ Schule in Düren angestellt.
Am 1. 7. 1933 tritt er dem NS-Lehrerbund (NSLB) mit der Mitgliedsnummer 128386 bei. [Bereits im April 1933 wurde das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums erlassen. Jüdische, sozialdemokratische, kommunistische oder anderweitig regimekritische Lehrkräfte wurden sofort entlassen. Wer seinen Job behalten wollte, musste Loyalität signalisieren.]
Köln / Oberkassel
Zum Jahreswechsel 1934 /35 reist er mit Elfriede Stegemeyer nach Paris. Otto Coenen kam ohne Elfriede Stegemeyer zurück, da sie sich entschloss, länger dort zu bleiben.
Otto Coenen wurde nach Oberkassel versetzt um dort als Kunstlehrer an der privaten Kalkuhl Oberrealschule zu lehren. Er zieht von Köln nach Oberkassel um.
1936 – Das Ende der Roten Kämpfer
In Köln fliegt die Ortsgruppe der Roten Kämpfer auf und Otto Coenen kommt nur davon, weil Heinrich Pakullis während seine Wohnung durchsucht wurde, die Adresslisten und eine Postkarte Coenens vernichtete bzw. aß.
Coenen, der gerade so vor der Gestapo davongekommen ist, konzentriert sich nun auf seine Lehrertätigkeit und versucht gleichzeitig, seine früheren Bilder nach und nach aus dem Verkehr zu ziehen. Er versucht keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und meidet alle Anlässe, die auf seine früheren Aktivitäten im Widerstand aufmerksam machen könnten.
1937 / 1938
Am 25.10.1937 beantragt Otto Coenen die Mitgliedschaft bei der NSDAP. Grund hierfür war sicherlich, weiterhin sich und seine Familie zu schützten und nicht aufzufallen. Im Jahr 1937 widmet er sich vermehrt der Malerei und tatsächlich zählen die damals entstandenen Arbeiten zu seinen Besten, die er vor seiner Einberufung zum Kriegsdienst geschaffen hat. Auch reist er im Jahr 1937 nochmal nach Paris, vermutlich zur Weltausstellung, die das letzte Mal vor Kriegsbeginn stattfand.
Am 8. Juli 1938 heiratet Otto Coenen seine erste Frau Maria und zog mit ihr nach Beuel am Rhein.
1941 – 1943
Otto Coenen erhält den Einberufungsbefehl zur Wehrmacht. Sein Arbeitgeber, das Kalkuhl-Gymnasium muss ihn hierfür unentgeltlich freistellen.
Otto Coenen wird nach seiner Grundausbildung in Meppen / Ems zur Bewachung von Kriegsgefangenen im Staumühle Lager bei Paderborn und später in Warbug (Zuckerfabrik) eingesetzt.
Im Dezember 1941 wurde er nach Löwendorf (Kr. Höxter) versetzt.
Um seine Verbeamtung nicht zu gefährden, wurde er zum Schein am Beethoven-Gymnasium, Bonn angestellt (bis 1943).
1942 wurde er als Besatzungssoldat zu Eisküste Norwegens versetzt.
Im März 1943 wurde er zum Studienrat ernannt und formell dem mathematisch / naturwissenschaftlichen Gymnasium in Mönchengladbach zugeteilt, wo er 1946 faktisch als Kunsterzieher tätig wird.
1945 / 1946
Mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands endet sein Kriegseinsatz in Norwegen. Er wird Kriegsgefangener der Engläner und auf der Lofoten-Insel Hinnoy interniert.
Im August 1945 wird er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und kehrt nach Beuel zurück.
Im Jahr 1946 erhielt er von den Briten eine vorläufige Beschäftigungserlaubnis, die es ihm möglich macht, wieder als Lehrkraft zu arbeiten.
Er mietet sich ein kleines Zimmer in Möchengladbach um in der Nähe seines Arbeitsplatzes zu wohnen.
Da das Haus seiner Eltern in Düren zerbombt wurde, lebten diese nun bei seiner Frau in Beuel in der nun ziemlich beengten Mansardenwohnung.
Vorschau auf den nächsten Beitrag:
Die Entnazifizierung von Otto Coenen.
Quellen:
Treffpunkt Kunst
Otto Coenen Leben und Werk, Herausg. Uli Bohnen, Wienand Verlag Köln
NSDAP _ Akten

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